Lebensqualitätsforschung an der Charité Berlin

  • Krankheitsverarbeitung
  • Risikowahrnehmung
  • Entscheidungsfindung
  • Gesundheitsbezogene Lebensqualität
  • Gesundheitsverhaltensänderung
  • Selbstregulation
  • Stressbewältigung

Sie befinden sich hier:

Lebensqualitätsforschung am Institut für Medizinische Psychologie

Die mit einer Krankheit verbundenen Risiken und Handlungsmöglichkeiten werden individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen. Die Arbeitsgruppe Lebensqualitätsforschung um PD Dr. Friederike Kendel befasst sich mit der subjektiven Wahrnehmung von Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen. Es wird untersucht, vor welchem Hintergrund Patienten Entscheidungen treffen, wie sich diese Entscheidungen langfristig auf die Lebensqualität auswirken und welche Krankheitsverarbeitungsstrategien Patienten einsetzen.

Daraus ergeben sich weitere Schwerpunkte der Arbeitsgruppe: zum einen die Entwicklung und Evaluation von verständlichen, individualisierten Risikoinformationen, zum anderen die Entwicklung von krankheitsspezifischen Messinstrumenten zur Erfassung der Lebensqualität.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Arbeitsgruppe ist die Forschung von Dr. Silke Burkert zu biopsychosozialen Einflüssen auf die psychische und physische Gesunderhaltung. Dabei wird zum einen die Rolle selbstregulativer Strategien wie der konkreten Planung bei der Ausübung von Gesundheitsverhaltensweisen (z.B. körperliche Aktivität, Stressregulation) untersucht. Dem Konstrukt der dyadischen Planung, das von der Arbeitsgruppe in der gesundheits- und medizinpsychologischen Forschung etabliert wurde, kommt dabei eine besondere Aufmerksamkeit zu. Zum anderen wird der moderierende Einfluss der Stressbelastung auf die Planung und Ausübung von Gesundheitsverhalten analysiert.

Projekte

Bewältigungsstrategien nach Diagnose Niedrig-Risiko-Prostatakarzinom

Die Entscheidung für eine Behandlungsoption nach der Diagnose Low-Risk-Prostatakarzinom ist äußerst komplex: Das Risiko irreversibler Nebenwirkungen und Einbußen in der Lebensqualität, das mit der Entscheidung für eine radikale Prostatektomie oder Radiotherapie verbunden ist, muss abgewogen werden gegen das Risiko einer nicht rechtzeitigen Behandlung bei der Entscheidung für eine abwartende Strategie. Bei der Therapieentscheidung sind die mentalen Krankheitsrepräsentationen des Patienten von großer Bedeutung: dazu gehören u.a. Annahmen über die Entstehungsursachen, den zeitlichen Verlauf  und die Kontrollierbarkeit. Mit einer prospektiven, nicht-interventionellen Studie soll das komplexe Zusammenspiel von mentalen Krankheitsrepräsentationen, Krankheitsbewältigung und Krankheitsangst vor und nach der Therapieentscheidung untersucht werden. Weitere Informationen zur COPCa-Studie finden Sie auf der Website des Projektes.

Stand: Rekrutierung abgeschlossen

Projektlaufzeit: 2014 – 2018

Förderung: Else Kröner-Fresenius-Stiftung

Studienleitung: PD Dr. Friederike Kendel, Prof. Dr. Mark Schrader

+49 30 450 529 201

Leben mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko

Im Mai 2013 machte die Schauspielerin Angelina Jolie ihre Entscheidung, sich aufgrund einer vorliegenden BRCA1-Genmutation einer beidseitigen prophylaktischen Mastektomie zu unterziehen, öffentlich. Diese Nachricht erfuhr eine bis dato beispiellose Aufmerksamkeit in den internationalen Medien. Sie führte auch in Deutschland zu einer deutlichen Steigerung der Nachfrage nach genetischer Beratung und präventiven Maßnahmen und wird heute als sogenannter "Jolie-Effekt" beschrieben. Für Trägerinnen einer Mutation in einem für familiären Brustkrebs disponierenden Gen erhöht sich das Brust- und Eierstockkrebsrisiko erheblich. Die psychische Belastung von Frauen mit familiärem Brustkrebsrisiko ist sehr unterschiedlich und hat Auswirkungen auf medizinische Entscheidungen und die Lebensqualität der Betroffenen. Dabei scheint die Einschätzung und Wahrnehmung des eigenen Risikos eine große Rolle zu spielen. Erstmalig sollen in einer prospektiven, nicht-interventionellen Studie die Zusammenhänge zwischen Risikowahrnehmung, Persönlichkeitsvariablen und Bewältigungs-strategien sowie der damit verbundenen medizinischen Entscheidungen untersucht werden. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen den komplexen Anpassungsprozess an das Leben mit einem erhöhten Brust- und Eierstockkrebsrisikos besser zu verstehen und damit die Beratung und Unterstützung der Betroffenen zu verbessern.  

Projektlaufzeit: 2016 – 2018

Förderung: Berliner Krebsgesellschaft

Studienleitung: PD Dr. Friederike Kendel, Dr. Dorothee Speiser

+49 30 450 529 201

Krankheitsangst und Bewältigungsstrategien bei Tumorpatienten

Die S3-Leitlinie zur Behandlung eines Prostatakarzinoms der Low-Risk-Kategorie sieht als gleichberechtigte Therapieoptionen drei kurative Strategien – radikale Prostatektomie, Radiotherapie, Brachytherapie - und eine abwartende Strategie (Active Surveillance) vor. Die physischen Nebenwirkungen und psychischen Belastungen durch die einzelnen Therapien können sehr unterschiedlich sein. Allerdings gibt es zu den psychischen Belastungen und der Krankheitsverarbeitung über einen längeren Krankheitsverlauf kaum belastbare Daten, die einen Vergleich der unterschiedlichen Therapiestrategien ermöglichen. Ziel dieser Studie war es deshalb, ein differenziertes Bild der psychosozialen Belastung von Patienten zu gewinnen, die bereits mehrere Jahre mit ihrer Erkrankung leben.

Projektlaufzeit: 2015 – 2016

Förderung: Stiftung Oskar-Helene-Heim

Studienleitung: PD Dr. Friederike Kendel, Dr. Silke Burkert

 +49 30 450 529 201

Bewegter Alltag

Das Kooperationsprojekt der Freien Universität Berlin und der CharitéUniversitätsmedizin Berlin zielt auf die Steigerung alltäglicher Bewegung ab. Bewegung im Alltag hat viele Vorteile: Sie hebt die Stimmung, erleichtert den Umgang mit Stress, hilft bei der Gewichtsregulation und verbessert das Aussehen. Zudem reduziert sie das Risiko zahlreicher schwerer chronischer Erkrankungen. Wissenschaftliche Leitlinien empfehlen daher die Erhöhung moderater körperlicher Aktivität auf 30 bis 60 Minuten pro Tag an mindestens 5 Tagen der Woche. Aktuelle epidemiologische Daten legen jedoch nahe, dass nur rund 20% der erwachsenen Deutschen dieses wichtige Verhaltensziel erreichen
In dieser längsschnittlichen Interventionsstudie soll der Effekt dyadischer Planung auf die Steigerung und Aufrechterhaltung alltäglicher körperlicher Aktivitäten untersucht werden. Auf diese Weise soll die gesteigerte regelmäßige körperliche Aktivität im Alltag zur Gewohnheit werden. Dazu werden drei Interventionsgruppen (dyadische Planung, individuelle Planung, keine Planung) hinsichtlich ihrer Verhaltensänderung über einen Zeitraum von 12 Monaten verglichen.
Erste Ergebnisse deuten auf einen Nutzen dyadische Planung für Personen mit hoher Partnerschaftsqualität hin.

Stand: Die Datenaufbereitung läuft derzeit noch.

Projektleitung: Prof. Dr. Nina Knoll (FU), Dr. Silke Burkert

Förderung: Deutsche Krebshilfe

Laufzeit: Februar 2013 bis Januar 2016

Kooperation: AB Gesundheitspsychologie der Freien Universität Berlin

Publikationen:

Knoll, N., Hohl, D. H., Keller, J., Schuez, N., Luszczynska, A., & Burkert, S. (2017). Effects of dyadic planning on physical activity in couples: A randomized controlled trial. Health Psychology, 36, 8-20. doi: 10.1037/hea0000423

Arbeitsstress laufend bewältigen

Für eine gesunde und produktive Arbeit gilt es, Arbeitsstress so gering wie möglich zu halten oder diesen erfolgreich bewältigen zu können. In dieser Online-Längsschnittstudie wurde untersucht, welche Rolle die Planung und Ausführung von sportlicher Aktivität bei der Bewältigung von Arbeitsstress über eine Zeitdauer von vier Wochen spielt und wie sich dieses Gesundheitsverhalten auf die arbeitsbezogenen Folgen i.S. von Burnout auswirkt.

Projektleitung: Daniel Fodor, Dr. Silke Burkert

Förderung: Haushaltsmittel

Laufzeit: April 2014 bis Juni 2014

Publikationen:

Burkert, S., Gekeler, B., & Fodor, D. (under review). An Extended Job Demands-Resources Model in the Context of Physical Exercise: Planning Strategies as Additional Resources. Manuscript submitted for publication.

Fodor, D., Gekeler, B., Knoll, N, & Burkert, S. (under review) Intensity Matters: The Role of Physical Activity in the Job Demands-Resources Model. Manuscript resubmitted for publication.

Nutzung von Zeit

Die Diagnose einer unheilbaren onkologischen Erkrankung  führt zu einer unmittelbaren Konfrontation mit der Tatsache eines unverhinderbaren und unausweichlichen Todes. Auch wenn das Thema der eigenen Endlichkeit über die gesamte Lebenspanne hinweg präsent ist, kann die direkte Konfrontation mit einem akuten Todesrisiko zu einer veränderten Zeitwahrnehmung und damit einhergehend zu einer Überprüfung und Evaluation der eigenen Ziele und Werte führen. Darunter fallen Aspekte wie Sinn des Lebens und  Priorisierung von Zielen und auch die Veränderung von Verhalten für die verbleibende Lebens¬zeit.
Variablen wie z.B. die Selbstregulation, Austausch mit der Familie (z.B. Ehepartner,  Kinder) und dem sozialen Umfeld, aber auch die Art und Schwere der Krebserkrankung und die Einschränkungen im täglichen Leben oder bei der Ausübung von Freizeitaktivitäten spielen vermutlich eine Rolle in der Beeinflussung wie der Patient mit der Diagnose umgeht und wie sich das Verhalten und Befinden der Betroffenen in der terminalen Phase verändert.
Ein Verständnis der Faktoren, die die Reaktion des Patienten auf eine infauste Diagnose beeinflussen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung maßgeschneiderter, individualisierter Interventionen. In Fokusgruppen sowie mit Hilfe von Fragebogenerhebungen sollen diese Einflussfaktoren beleuchtet werden.
Dieses Projekt wurde im Rahmen der FocusArea DynAge entwickelt und gefördert.

Projektleitung: Prof. Dr. Antonio Pezzutto, Dr. Silke Burkert, Dr. Corinna Leng

Förderung: FocusArea DynAge der CharitéUniversitätsmedizin Berlin und der Freien Universität Berlin

Laufzeit: September 2013 bis August 2015

Kooperation: Medizinische Klinik für Hämatologie, Onkologie der Charité

Publikationen:

Wittke, J. (2015). Time utilization and coping of palliative (cancer) patients – A multi method approach. Unveröffentlichte Masterarbeit. Hochschule Magdeburg Stendal.

Arbeitsgruppenleitung Lebensqualitätsforschung

PD Dr. rer. medic. Friederike Kendel

Wissenschaftlicher Mitarbeiterin, Lehrkoordination