Wissenschaftliche Zielsetzung der Berliner Kinderstudie

Für die Berliner Kinderstudie (Longitudinal Children Study, LCS) hat das Institut für Medizinische Psychologie rund 120 Berliner Kinder im Alter von 3-5 Jahren über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet und ihre Entwicklung dokumentiert.

Ziel der Berliner Kinderstudie war es, zu bestimmen, welche unmittelbaren biologischen Prozesse dafür verantwortlich sind, dass sich frühe traumatische Lebenserfahrungen in Gehirn und Körper einbetten und somit ein langfristig erhöhtes Erkrankungsrisiko bewirken.

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Abstract

Frühe traumatische Lebenserfahrungen sind mit einem stark erhöhten Risiko für seelische und körperliche Erkrankungen im Erwachsenenalter assoziiert. Es ist bislang jedoch ungeklärt, welche unmittelbaren biologischen Prozesse dafür verantwortlich sind, dass sich frühe traumatische Lebenserfahrungen in Gehirn und Körper einbetten und somit ein langfristig erhöhtes Erkrankungsrisiko bewirken.

Derzeit verfügbare Interventionen für misshandelte Kinder sind demensprechend nicht an Mechanismen orientiert. Nicht jedes misshandelte Kind weist im Erwachsenenalter ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auf, wobei die genetische Ausstattung des Kindes einen schützenden Faktor darstellen kann. Bislang ist ebenfalls ungeklärt, über welche unmittelbaren biologischen Prozesse Variationen im Erbgut mit den Erfahrungen des Kindes zusammenwirken und somit Folgen von Misshandlung modulieren können.

Das Ziel unseres Projektes ist die Etablierung einer prospektiven Untersuchung von Kindern, um

  1. die unmittelbaren Prozesse der Einbettung von Misshandlung auf verschiedenen Ebenen der Stressregulation zu untersuchen,
  2. den Zusammenhang zwischen dieser biologischen Einbettung der Misshandlung und der Manifestation von Symptomen zu identifizieren, und
  3. die Wechselwirkung von Genen und Misshandlungserfahrungen auf diese unmittelbaren Prozesse zu verstehen.  

Mithilfe dieses Wissens können neuartige Behandlungsmöglichkeiten entwickelt werden, welche diesen Prozessen früh und gezielt entgegenwirken. Außerdem können biologische Merkmale identifiziert werden, welche Hinweise darauf geben, ob ein betroffenes Kind ein erhöhtes Erkrankungsrisiko hat und/oder für eine bestimmte Art von Intervention besonders ansprechbar ist.

Unser Netzwerk umfasst Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen der CharitéUniversitätsmedizin Berlin, einschliesslich

  • der Medizinsichen Psychologie (Christine Heim; Netzwerk Koordinator),
  • die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters (Ulrike Lehmkuhl),
  • das Berlin Center for Advanced Neuroimaging (John-Dylan Haynes), und
  • Wissenschaftler des Max Planck Instituts für Psychiatrie (Elisabeth Binder).